Thema Soziale Armut: Caritas Studie
Caritas Studie zur Soz. Armut: Versteckte Armut? Ein Blick hinter die Haushaltsfassade. Jede 3. nicht-alleinlebende Frau in Österreich ist ohne das Einkommen anderer Personen im Haushalt armutsgefährdet. Eine Zusammenfassung einer Caritas Studie zur Frauenarmut in Österreich.
Wer in Österreich in einem Haushalt mit einem Gesamteinkommen über der Armutsgefährdungsschwelle lebt, gilt üblicherweise als finanziell abgesichert – auch dann, wenn kaum oder gar kein eigenes Einkommen vorhanden ist. Aber ist das tatsächlich so? Die Studie „Versteckte Armut? Das Armutsrisiko von nicht-alleinlebenden Frauen in Österreich“ von Katrin Gasior im Auftrag der Caritas hat dieses Thema genauer untersucht. Das Ergebnis:
Das Armutsrisiko von Frauen in Österreich wird stark unterschätzt, vor allem wenn sie mit anderen Personen zusammenleben. Die ökonomische Schieflage zwischen Frauen und Männern in gemeinsamen Haushalten ist enorm.
Armut ist weiblich, weil unbezahlte Arbeit weiblich ist. Dass Frauen in gemeinsamen Haushalten ein dreimal höheres Armutsrisiko haben als Männer ist kein Zufall, sondern hat System.
Ein zentraler Grund dafür ist die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Frauen übernehmen in Österreich nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit – von der Kinderbetreuung bis zur Pflege Angehöriger. Sie können dementsprechend in geringerem Ausmaß bezahlter Erwerbsarbeit nachgehen.
Über die Hälfte von Frauen in gemeinsamen Haushalten arbeiten weniger als 35 Stunden. Bei den Männern sind es hingegen nur 7 %. Während Frauen damit in punkto Existenzsicherung klar im Nachteil sind, zeigt die Studie ebenfalls: Bei einem ähnlichen Ausmaß der Erwerbsarbeit reduziert sich auch die Schieflage zwischen den Geschlechtern
deutlich: So sind bei einer Wochenarbeitszeit von 20 bis 34 Stunden 19 % der Männer und 23 % der Frauen armutsgefährdet.
Mit einer Familiengründung erhöht sich das Armutsrisiko von Frauen deutlich und mit jedem Kind stärker. Bei Männern
ist das Gegenteil der Fall.

Teilzeitarbeit reduziert das österreichische Steuer- und Sozialsystem das Armutsrisiko nur um 6 %. Eine weit höhere Bedeutung für die Armutsfestigkeit von nicht-alleinlebenden Frauen haben hingegen Familienleistungen:
Insbesondere bei Müttern von Kleinkindern zeigen sich mit einer Reduktion des Armutsrisikos um 15 % deutliche Effekte.
Das individuelle Armutsrisiko von Frauen sank in den letzten zehn Jahren nur schleppend – und das vorwiegend durch
eigene Anstrengungen, nicht durch Sozial- und Steuerreformen.
Insgesamt ist das individuelle Armutsrisiko von Frauen in gemeinsamen Haushalten zwischen 2014 und 2024 um vier Prozentpunkte gesunken. Das liegt allerdings nicht am Sozial- und Steuersystem, wie die Studie zeigt – im Gegenteil: Politische Reformen der vergangenen zehn Jahre haben insgesamt sogar zu einer leichten Verschlechterung für nicht-alleinlebende Frauen geführt. Die Verbesserungen sind vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Armutsrisiken
für Pensionistinnen aktuell geringer sind als noch vor zehn Jahren. Das wiederum hängt mit Langzeiteffekten am Arbeitsmarkt zusammen: Frauen sind heutzutage besser gebildet, außerdem arbeiten sie durchgängiger und häufiger.
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